Berlin von unten – Berlin from below

Führungen -- Tour M Titelbild 2014
english version below

In Berlin ist das Thema „Geschichte“ allgegenwärtig. Die Teilung Berlins mit der Mauer (soweit noch vorhanden), das Holocaust-Denkmal, die Auswirkungen der Weltkriege – es gibt so viel zu besichtigen, dass es für mehr als eine Reise nach Berlin lohnt.

Bei einem unserer letzten Besuche hatten wir u.a. eine tolle Führung durch den Reichstag für die ganze Familie (Anmeldung und Info hier), die so gut aufbereitet war, dass sowohl wir Erwachsene unseren Spaß und viel Info hatten und meine Kinder sich danach tatsächlich aufraffen konnten in der Schule ein Referat über den Reichstag zu schreiben……
Doch diesmal hatten wir einen wahrhaft dunklen Teil der deutschen Geschichte auf dem Programm: die Berliner Unterwelten.

Der Berliner Unterwelten e.V. bietet seit 1999 zeitgeschichtliche Führungen zu den verschiedensten Themen an, die durch geheimnisumwitterte und lange Zeit in Vergessenheit geratene Bunker- und Verkehrsanlagen des Berliner Untergrunds führen.

Wir haben uns für die Tour M – Mauerdurchbrüche entschieden und hatten 2 höchst interessante Stunden im Untergrund Berlins……
Seit das SED-Regime im August 1961 die Berliner Mauer errichtete, gab es immer wieder Versuche, mittels quer durch die Stadt gegrabener Tunnel die tödlichen Sperranlagen zu überwinden und in die Freiheit, sprich nach Westberlin zu gelangen. Der erste Tunnel entstand noch im Oktober 1961, der letzte 1982. Insgesamt gab es mehr als siebzig Fluchttunnel, von denen jedoch nur rund 20 Prozent erfolgreich waren. Durch sie gelangten über 300 DDR-Bürger in die Freiheit nach West-Berlin. Es gab spektakuläre Aktionen, Verrat und bitteres Scheitern, weil die Stasi Wind bekommen hatte. Ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Tunnelbauern und der DDR-Staatssicherheit entstand, unter zunehmend erschwerten Bedingungen für die Fluchthelfer und Fluchtwilligen.

In der Tour M wird nicht nur, und das sehr spannend und anschaulich, die Geschichte der Fluchttunnel erzählt. Auch die Berliner Geisterbahnhöfe, ihre scheinbar perfekte Sicherung gegen sogenannte Grenzverletzer und das Absperren der Kanalisation gegen unterirdische Fluchtversuche finden bei dieser Führung ausgiebig Erwähnung und können zum Teil besichtigt werden.
Nach dem Besuch der Ausstellungsräume in der Zivilschutzanlage Blochplatz geht es per „U-Bahn-Shuttle“ zur Bernauer Straße, einem der Brennpunkte des Mauerbaus und auch einer der Schwerpunkte im Fluchttunnelbau. Auf einer Streckenlänge von nur 350 Metern wurden die Grenzsperranlagen hier siebenmal untertunnelt. Nahe diesen authentischen Schauplätzen der Geschichte geht es erneuert in den Untergrund. In den historischen Gewölben der ehemaligen Oswald-Berliner-Brauerei berichten die sehr engagierten Führer, anhand von Tunnelnachbauten sowohl von verratenen und gescheiterten Tunnelvorhaben als auch über die beiden erfolgreichsten und spektakulärsten Projekte aus der Zeit der Berliner Mauer, den „Tunnel 29“ und den „Tunnel 57“. Im wieder freigelegten originalen Brauereibrunnen kann man auf den hier sehr tief liegenden Berliner Grundwasserspiegel blicken. Erst diese besondere Situation ermöglichte das Anlegen sehr tief liegender Fluchttunnel. Durch den Nachbau einiger Tunnel kann der Zuschauer sich einen intensiven Eindruck der damaligen Gegebenheiten machen, geplant ist, in den nächsten Jahren einen der erfolgreichen Fluchttunnel komplett nachzubauen.

Außerdem gibt es folgende weitere Führungen:

Dunkle Welten: Bombenkrieg im Zweiter Weltkrieg, Luftschutz, Bodenfunde als Hinterlassenschaft des 2. Weltkriegs
Vom Flakturm zum Trümmerberg: besichtigt werden können 3 Geschosse der größten der noch existierenden Flakbunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg in Berlin, weitere Themen: Bunkersprengung, Trümmerberge
U-Bahn, Bunker, Kalter Krieg: Zivilschutzanlagen, Bevölkerungsschutz im Kalten Krieg, die Schrecken eines möglichen Atomkrieges werden anschaulich vor Augen geführt
Humboldthain extrem: Flakbunker aus dem Zweiten Weltkrieg in Berlin, Bunkersprengung, Trümmerberge, mit abenteuerlichem Abstieg in die Tiefen des Trümmerberges
Geschichtsspeicher Fichtebunker: Mutter-Kind-Bunker, Zweiter Weltkrieg, Gasometernutzung, Bunkernutzung, Gefängnis, Senatsreserve
Tour K – Kindl-Areal Neukölln: Brauereien als Pioniere des Berliner Untergrundes
Tour M – Mauerdurchbrüche: Fluchttunnelbau während der Teilung Berlins
Tour O – Operationsbunker Teichstraße: Operationsbunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges
Tour S – Der Schwerbelastungskörper: Die geplante Umgestaltung Berlins unter den Nationalsozialisten

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Die Führungen werden in den unterschiedlichsten Sprachen angeboten, allerdings kann man kann die Tickets vorher nicht im Internet kaufen oder per Telefon reservieren, eine Reservierung ist nur bei den Spezialführungen möglich. Am Tag der Führung muss man morgens am „Gesundbrunnen“ die Tickets für den betreffenden Tag kaufen und mit ein bißchen Glück nicht allzu lange warten. Wir waren erst um 11 Uhr an der Kasse und haben erst wieder Karten für die 14.30 Uhr Führung kaufen können. Nur Barzahlung ist möglich!

Wir nutzten die Zeit und haben noch die Helmut Newton Ausstellung besucht – sehr sehenswert aber nichts für Kinder, sehr viele kaum bekleidete Menschen ;-).

Quelle all dieser Informationen: http://berliner-unterwelten.de/
die nach der Führung ausdrücklich darum gebeten haben ein bißchen Werbung für die Führungen zu machen, was ich hiermit gerne umsetzte 😉

Eine der Spezialtouren:
http://berliner-unterwelten.de/tour-m-spezial–mauerdurchbrueche-mit-joachim-neuman.1811.0.html

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🙂 —————  🙂 ——————  🙂

In Berlin „History“ is ubiquitous. The division of Berlin with the wall (if still available), the Holocaust Memorial, the effects of the world wars so much to see – enough for more than one trip to Berlin.

At our last visit we made a great „family“ tour of the Reichstag (Registration and info here), well prepared and very interesting, both of us, we (the adults) had fun and lots of information and my kids too, they actually made a presentation on the Reichstag for school ……
But this time a truly dark part of German history was at the program: the Berlin Underworlds……

Since 1997, the Berlin Underworlds Association has been offering regular tours into some of the most important underground structures in the city. Although the majority of their tours are in or near the Gesundbrunnen station in the north of Berlin, they also offer tours in several other subterranean complexes that are otherwise not publicly accessible.

We chose the Tour M under the Berlin wall and had two very interesting hours in the underground of Berlin ……
In August 1961, the East German government ordered the erection of the Berlin Wall. Since then, many attempts were made to dig tunnels through Berlin’s sandy soil in order to overcome the heavily guarded border. The first tunnel was dug in October 1961, the last one in 1982. There were more than seventy escape tunnels in all; and in total, more than 300 citizens of the GDR were able to escape through those, which were successful. When the East German secret police (Stasi) learned of these operations, the outcomes differed. Sometimes this lead to spectacular cloak-and-dagger operations, other times to betrayal and bitter failure. A cat-and-mouse game played between the tunnel builders and the Stasi, meant that those wished to escape faced ever worsening odds.

Tour M gave us an insight into the history of these escape tunnels, and delves into the subject of the subterranean border – in the subway and sewer systems, which were used by those trying to flee the east. After a visit to various photo exhibitions in a former civil defence shelter, the guests will be taken via the subway to Bernauer Strasse. There more than seven escape tunnels were attempted within a distance of just 350 meters of each other. Here we heard tales of betrayal in addition to the story of the two most successful tunnels.

There are the following additional guides in english:

Dark worlds: bombing in World War II, air protection, archaeological artefacts as a legacy of the second world war
From Flak Towers to Mountains of Debris: Explore the devastated ruins of a WW2 fortress
Subways and bunkers in the cold war: prepare for the nuclear war
The Fichtebunker time capsule: Discover 130 years of history under one roof
Under the Berlin wall: stories of the people who tunnelled to freedom

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Tickets are available in the pavilion next to the south entrance of the Gesundbrunnen underground station (in front of ‘Kaufland’), Brunnenstraße 105, 13355 Berlin (exit direction to Humboldthain Park, Brunnenstraße). Reservations are not possible and tickets may only be purchased on the day of the tour. You should arrive early in order to buy them – expect lines on busy days. We were at 11 clock at the checkout and they were sold out for the early tickets, we bought tickets for the guided tour 15.30 clock.
We took advantage of the time and visited the Helmut Newton exhibition very interesting  but not for young children, many barely clothed people;-).
They only take cash as payment, credit/bank cards are not accepted!

source of these information: http://berliner-unterwelten.de/home.1.1.html
They specifically asked for advertising their guides, I like to support them, great work!

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12 Antworten zu Berlin von unten – Berlin from below

  1. cramerry schreibt:

    Klingt sehr interessant. Bin übernächstes WE in Berlin. Werde mal meine Begleitung überzeugen 🙂

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  2. Wenn Du möchtest habe ich noch ein paar Tips mehr……. wie lange bist Du dort?

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  3. entdeckeengland schreibt:

    Das klingt ja spannend. Passend zum diesjährigen 25. Jubiläum des Mauerfalls.

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  4. Servetus schreibt:

    Wow, interesting — I lived in Berlin for a year and didn’t know about these tours. Next time!

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  5. Ja, ist aber reiner Zufall mit dem 25. Jubiläum. Ich habe auch 3 Jahre in Berlin gelebt und habe vieles nicht gemacht…….. so habe ich immer einen Grund für einen neuen Besuch 🙂

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  6. guylty schreibt:

    War immer Sommer auch gerade in Berlin und wollte eigentlich die Flakturmführung machen. Wieder nicht geschafft, aber dein Beitrag hat mich jetzt angespitzt, beim nächsten Mal unbedingt hinzugehen. Zudem ich immer bei meiner Freundin direkt am Bahnhof Gesundbrunnen wohne *duh*. Danke für die Infos.

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  7. cramerry schreibt:

    So, ich war da! Best Tipp ever, Suzy! Ich kann mich nur wiederholen. Wie sind am Samstag sofort in die Führung M geschliddert. Ganz tolle Nummer. Super interessant und bewegend. Unfassbar, was sich dieses Regime hat einfallen lassen, um ihre Bürger “ zu halten“. Wer da der DDR auch nur eine einzige Träne nachheult, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Ich habe übrigends den Kanaldeckel mit einem anderen Probanden rausgewuchtet 🙂 Heidewitzka, war das schwer. Das sind so rd. 60 kg und nur mit diesem Haken, eine echte Herausforderung. Also, jeder der Gelegenheit dazu hat, rein da, ganz dringende Empfehlung. Da wird die jüngste deutsche Vergangenheit sehr erlebbar.

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