Cirque du soleil / Kooza

saltimbanco

In den 90er Jahren habe ich meine erste Show des Cirque du soleil gesehen, der Potsdamer Platz in Berlin war damals noch eine große freie Fläche, dort fanden Mittelalterspektakel statt, es pausierte dort die ein oder andere Großveranstaltung und irgendwann schlug auch der Cirque du soleil sein Zelt dort auf.
Saltimbanco wurde damals gezeigt und wir waren begeistert, von der farbenprächtigen Show, den tollen Kostümen, den hervorragenden Künstlern und der Musik – schräg, mitreißend, verheißungsvoll, träumerisch – je nachdem was auf der Bühne gerade geschah. Eine Aufführung, wie ich sie bis dahin noch nie gesehen hatte.

Und natürlich waren wir 2 Jahre später in Alegria um uns ein weiteres Mal verzaubern zu lassen. Ich habe damals beide CD´s gekauft und höre die Musik immer noch, die bei diesen beiden Produktionen zum größten Teil von René Dupéré stammte:


Wir haben danach noch 2 weitere Produktionen gesehen, Quidam und Varekei, keine hat mich so fasziniert, wie die ersten beiden Aufführungen – ob der Neuigkeitsfaktor einfach weg war? Ich inzwischen zu abgeklärt bin, zu viel gesehen habe? Oder ob die Aufführungen von damals einfach qualitativ besser und einfallsreicher waren?

Jetzt kommt Kooza nach Düsseldorf und ich lese mit Interesse die Artikel in den Tageszeitungen:

Kooza ist ein komisches Königreich und erzählt die Geschichte eines unschuldigen, melancholischen Einzelgängers, dem Trickser, auf der Suche nach seinem Platz in der Welt. Auf seiner Reise begegnet dieser einer Vielfalt von komischen Charakteren wie dem König, dem Taschendieb, dem unausstehlichen Touristen und seinem bösartigen Hund.
Zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit, Gelächter und Lächeln, Tumult und Harmonie erkundet Kooza Themen wie Furcht, Identität, Anerkennung und Macht. Der Herrscher von Kooza spielt die seltsamste Rolle, seine Haare sind wirr und zerzaust, seine Krone verselbstständigt sich gerne und führt ein bizarres Eigenleben. Zu seinem Hofstaat zählen zwei äußerst bunte Vögel, die für Erheiterung sorgen. Über allem schwebt der Trickser, auf der Suche nach seinem Platz in diesem närrischen Königreich erlebt er fantastische Abenteuer.

Poetisch und fantasievoll setzt, laut der Rheinischen Post das Ensemble die Geschichte in Szene. In Kooza geht es um die Entdeckung des Selbst, der eigenen Fähigkeiten. Denn der Naivling vom Anfang gewinnt immer mehr an Lebensfreude und Stärke. Als roter Faden zieht sich die Clownerie durch das Programm, der zerzaust wirkende „König“ und seine tollpatschigen Diener staunen ebenso wie der „Unschuldige“ über die Kunststücke der Artisten: Das „Rad des Todes“ – bestehend aus zwei Rädern, die in der Mitte zusammengehalten werden – treiben zwei Männer durch ihre eigene Körperkraft an. Sie springen im Rad und auf der Außenseite des Rades, damit es sich dreht. Mit Hilfe einer Wippe machen Artisten mit zwei Meter hohen Stelzen Mehrfachsalti – und landen mit der Stelze auf einem Trampolin.
Die Show lebt aber, wie stets, auch von der außergewöhnlichen Musik. Jazz und Soul treffen auf indische Klänge. Autor und Regisseur David Shiner hat sich bei einem Indienaufenthalt inspirieren lassen. „Kooza handelt von menschlichen Beziehungen in einer dualen Welt von Gut und Böse“, erläutert Regisseur David Shiner. Der Name geht auf das Sanskrit-Wort „Koza“ zurück, das Box, Kiste oder Schatz bedeutet. Die Idee eines „Zirkus in der Box“ war einer der Grundgedanken, ihm gefiel die Idee, dass sich auf der Bühne eine magische Kiste öffnet……….


Der Cirque du soleil
1982 gründete Guy Laliberté mit einigen Artisten eine kleine Varieté- und Straßentheatergruppe in der kanadischen Stadt Baie-Saint-Paul (Provinz Québec). Später bekam diese Truppe den Auftrag, eine Vorstellung anlässlich der 450-Jahr-Feier Kanadas zu gestalten, am 16. Juni 1984 wurde der Cirque du Soleil ins Leben gerufen. Er gilt als der erfolgreichste Zirkus der Welt –Jahr für Jahr verzaubert der Cirque du Soleil Millionen von Zuschauern weltweit. Während viele traditionelle Zirkusunternehmen ums Überleben kämpfen, setzt er rund eine Milliarde Dollar pro Jahr um. Doch worin liegt sein Erfolgsgeheimnis?

Das arte-Magazin hat dies hinterfragt:
Die Geschichte des Cirque du Soleil ist so unglaublich und schillernd wie sein Erfinder Guy Laliberté. Der Kanadier wurde buchstäblich vom armen Feuerschlucker zum Multimilliardär. In einem Vorort von Québec schloss er sich Anfang der 1980er Jahre einer bunten Truppe von Straßenartisten, Musikanten und Stelzenläufern an, die als „Les Echassiers de Baie-Saint-Paul“ – die Stelzenläufer von Baie-Saint-Paul – ihr Publikum begeisterten. 1984 organisierte der junge Laliberté zur 450-Jahrfeier der Entdeckung Kanadas Straßenauftritte, die sich über die gesamte Provinz Québec erstreckten. Das Jubiläumsjahr verstrich, die Tournee jedoch setzte sich fort: Der Cirque du Soleil war geboren. Das Grundkonzept der Auftritte besteht bis heute: Nicht klassische Zirkustiere, sondern die Verschmelzung von Licht, Musik und Kostümen soll die Zuschauer in fremde Welten entführen. „Ich füttere lieber drei Artisten durch als einen Elefanten“, lautet das Credo von Laliberté.


Im Mittelpunkt steht eine bis ins Detail durchdachte Komposition, in der jede Farbe, jeder Lichtstreif zum Gesamtkonzept gehört – und die meist gänzlich ohne Dialoge auskommt. Man spürt, dass hier erfahrene Drehbuchautoren und Regisseure am Werk sind, so wie Jamie King, der seit Langem als Kreativdirektor von Madonna tätig ist und bereits mit Prince und Michael Jackson zusammengearbeitet hat.

Langjährige Publikumsmagneten sind „Alegría“, eine barocke Ode an die Energie und Grazie der Jugend, „Corteo“, ein buntes Gemisch aus poetischen Figuren und graziler Akrobatik, oder die avantgardistische chinesische Zirkuskunst „Dralion“.

Um die talentiertesten Künstler aufzuspüren, sucht der Zirkus die besten Artisten weltweit. Auf Weltmeisterschaften von Trampolinspringern, Kunstturnern oder Synchronschwimmern spüren Talentscouts neue Stars auf. 2011 bewarben sich knapp 10.000 Talente, Clowns werden in Indien gecastet, Artisten in Brasilien. Im Februar 2013 konnten sich Künstler in Berlin vorstellen. Bevor Neulinge festes Mitglied der Truppe werden, müssen sie jedoch ein Training am Hauptsitz in Montreal durchlaufen. Rund 150 Millionen Dollar investiert der Cirque du Soleil jedes Jahr in drei neue Spektakel.
Er versteht sich nicht als Schule für Artisten, vielmehr als kreative Ideenschmiede – und gleichzeitig ein globales Entertainment-Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern, darunter 1.300 Artisten aus 50 Ländern. Allein in der Zentrale in Montreal arbeiten um die 2.000 Zirkusleute. Artisten, Handwerker und Regisseure tüfteln rund zweieinhalb Jahre lang an einer neuen Show.


20 Prozent der Einnahmen erzielt der Zirkus mit Merchandising sowie Lizenzen für Hotels und Bars im Stil des Cirque du Soleil. 80 Prozent der Einkünfte stammen vom Verkauf der Tickets – und die sind teuer. Der Zirkus hatte von Anfang an lukrative Zielgruppen im Visier: gut zahlende Erwachsene und Firmen.
Lukrativ sind auch die Nebengeschäfte, die der Cirque du Soleil durch Kooperationen mit anderen Unternehmen erzielt: Mit dem schrillen spanischen Modelabel Desigual entwirft der Zirkus Kollektionen, und mit der Sportartikelfirma Reebok wurde das Workout „Jukari“ für Frauen entwickelt – inklusive eigens dafür gebauter Sportgeräte. Mit dem Browser Google Chrome ist die interaktive App „Movi.Kanti.Revo“ entstanden, die zum Singen und Tanzen anregt: Internetnutzer können sich hier durch Gesten vor ihrer Webcam in geheimnisvollen Welten bewegen.

Laut „Forbes“ verfügt der 53-Jährige Laliberté aktuell über ein Privatvermögen von 2,6 Milliarden Dollar. 2009 konnte er sich für rund 35 Millionen Dollar einen Flug zur Internationalen Raumstation ISS leisten. Dort überraschte er die Crew – mit Clownsnasen. Vom Weltraum aus warb der Milliardär auch für seine One-Drop-Foundation, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt. Ein Prozent der Einnahmen fließt in diese Stiftung und andere soziale Projekte. Zudem baut der Zirkus in eigenen Bio-Gärten Obst und Gemüse an, das in der Kantine serviert wird.
Die Kreativität des Cirque du Soleil indes scheint unerschöpflich: Kein Geringerer als James Cameron („Avatar“) produzierte den 3D-Film „Traumwelten“, der 2013 in die deutschen Kinos kam. Und nun kommt die neue Show – Kooza ………………………..

Der ganz ausführliche Artikel bei: http://www.arte.tv/de/cirque-du-soleil-jonglieren-mit-millionen/7057218,CmC=7057204.html

Ein ziemlich kritischer Beitrag findet sich hier: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/cirque-du-soleil-maerchen-vom-fliessband-a-558019.html

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27 Antworten zu Cirque du soleil / Kooza

  1. cRAmerry schreibt:

    Ich habe meine erste Cirque-Vorstellung Mitte der Neunziger in Las Vegas gesehen. Und war hin und weg. Diese unglaubliche Präzision und Akrobatik. Keine Ahnung mehr, was es war. Dann später hier Alegria und Quidam. Den Film habe ich auch gesehen, allerdings kam für mich da der Zauber nicht wirklich rüber. Und bei Aufzeichnungen hat man halt das Gefühl, dass das alles nicht unbedingt echt ist (so misstrauisch bin ich schon!). Es ging sicher alles mit rechten Dingen zu, aber live ist eben live! Und ja, auch mir geht es so, dass vieles von der Faszination von vor 20 Jahren sich ein wenig gelegt hat. Wir haben halt mittlerweile schon eine Menge gesehen.

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  2. Herba schreibt:

    Danke für Deinen informativen Post! Ich kenne den Cirque du Soleil nur aus dem Fernsehen….
    Weißt Du übrigens, wer Varekei noch gesehen hat, als es in London aufgeführt wurde? 😀

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  3. was die Herba nicht wieder alles auf Lager hat, allwissend und bestens informiert….. danke für den Link, aber ich glaube wenn dann eher Letzteres, als Baum oder Seetang ? (ernsthaft?) macht er sich bestimmt nicht so gut 😉

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  4. Also das mit dem Affen hätte ich definitiv gerne gesehen, und ich glaube Du wolltest ihn in diesem Video wahrscheinlich nicht identifizieren, reiner Selbstschutz!

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  5. Für Planet der Affen Teil xxy ist er somit offensichtlich nicht geeignet, ist auch gut so!

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  6. Servetus schreibt:

    What Herba said, and also, Terry Notary from Cirque du Soleil was the dwarves‘ movement coach.

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