Blinde Vögel – von Ursula Poznanski

Vögel
Ich mag die Bücher von Ursula Poznanski. Ihre Krimis sind immer spannend, die Auflösung überraschend, die Szenarien und handelnden Personen vielschichtig und interessant gestrickt.
Mein Lieblingskrimi von ihr ist zwar immer noch EREBOS, den ich hier vorgestellt habe, kein Krimi den ich in der letzten Zeit gelesen habe vermag dieses Jugendbuch bisher zu toppen, aber ihre „normalen“ Krimis für Erwachsene sind ebenfalls absolut lesenswert, immer spannende und erfrischend unterhaltsame Literatur.

Fünf“, der erste Krimi mit dem Ermittlerteam von Beatrice Kaspary und ihrem Kollegen Florin hat mich in die Welt der geocacher entführt, spannend, gut aufgebaut, mit einem Ende, das ich so nicht vorhergesehen hätte. Ein Krimi, den ich in einem Rutsch durchlesen musste, weil ich einfach wissen wollte, wie es ausgeht……. genau das Richtige für uzzelige Novembertage auf dem Sofa!

Mit meinem aktuellen Krimi „Blinde Vögel“, dem 2. Band des Ermittlerteams, habe ich mich zunächst schwer getan. Die Story kommt langsam in Gang, der Leser braucht deutlich länger um sich in die Geschichte einzufinden……..
Die Handlung dreht sich um eine Lyrik-Gruppe auf Facebook, die seltsame, absonderliche, teilweise sehr rudimentäre Gedichte, oft mit Todesahnungen postet. Gleich am Anfang finden sich zwei der Mitglieder in ziemlich desolatem Zustand auf einen Salzburger Campingplatz wieder, ein Mann und eine Frau, beide Mitte zwanzig, sind tot. Auf den ersten Blick sieht es nach Mord und Selbstmord aus, die einzige Gemeinsamkeit – die Facebookgruppe – ist eigentlich zu abwegig, um sie ernst zu nehmen, aber immerhin, die Toten haben dort stimmungsvolle und/oder morbide Gedichte und Fotos ausgetauscht, die einzige Gemeinsamkeit.
Unsere bereits aus „Fünf“ bekannte Chefermittlerin Beatrice Kaspary und ihr Kollege Florin folgen ihrem Ermittlerinstinkt und untersuchen die Strukturen in der Facebook-Gruppe. Beatrice loggt sich inkognito in die Gruppe der Gedichtefreunde ein und postet fleißig mit, knüpft Kontakte zu den Mitgliedern.
Den beiden Morden folgen noch ein zu offensichtlicher Selbstmord und zwei weitere Morde…….. und irgendwann zwischendrin nimmt die Geschichte dann an Fahrt auf, plötzlich hatte das Buch meine ganze Aufmerksamkeit, es erfolgt ein Umschwung, den ich so nicht vorhergesehen hätte, sehr unheilvolle Schatten aus der Vergangenheit tauchen auf – und von diesem Moment an wollte ich nur eines wissen, bekommt der Mörder seine Genugtuung? Denn darum geht es, um Rache, für unglaublich grausame Taten, die vor langer Zeit passiert sind.
Dabei sind die beiden Ermittler und ihre Kollegen sind sympathisch beschrieben und bringen,wie auch schon im 1. Teil, ihre privaten Aspekte in die Geschichte mit ein, ohne dass sie die Geschichte dominieren.
Dann – Hochspannung bis zum Schluss mit einem furiosen Finale und auch wenn dieser Krimi nicht ganz an „Fünf“ heranreicht bekommt er von mir eine klare Lese-Empfehlung für eine überzeugende Handlung, überraschende Wendungen sowie liebevoll und vielschichtig gezeichnete Charaktere  –  gut gemachte Krimi-Unterhaltung!

Das Gedicht, das Beatrice Kaspary auf Facebook postet und von dem sich der Titel des Buches herleiten lässt, ist übrigens von Rainer Maria Rilke:

Seine Hände blieben wie blinde Vögel

Seine Hände blieben wie blinde
Vögel, die, um Sonne betrogen,
wenn die andern über die Wogen
zu den währenden Lenzen zogen,
in der leeren, entlaubten Linde
wehren müssen dem Winterwinde.

Auf seinen Wangen war die Scham
der Bräute, die über der Seele Schrecken
dunkle Purpurdecken
breiten dem Bräutigam.

Und in den Augen lag
Glanz von dem ersten Tag, –
aber weit über allem war
ragend das tragende Flügelpaar…

Quelle: http://gedichte.xbib.de/Rilke_gedicht_Seine+H%E4nde+blieben+wie+blinde+V%F6gel.htm
http://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article115660250/Mord-im-Lyrikforum.html

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