„Das Salz der Erde“ von Wim Wenders

Die Menschen seien das Salz der Erde,
so lautet ein altes Sprichwort……….

Wim Wenders erzählt in seinem neuen Dokumentarfilm über das Leben des Sozialfotografen Sebastião Salgado, der auf der ganzen Welt beeindruckende Fotos von  Menschen und unserem Planeten gemacht hat, der soziale Umbrüche, Hungersnöte und Kriege mit seiner Kamera festgehalten hat – in hoch ästhetischen Schwarz-Weiß-Bildern, die wie kleine Kunstwerke oder Gemälde den Zuschauer in ihren Bann ziehen.

Sebastião Salgado wurde 1944 in Brasilien geboren, engagierte sich in den 60er-Jahren während der Militärdiktatur in der linken Oppositionsbewegung und ging 1969 ins Exil nach Paris. Er war zunächst Wirtschaftsökonom, gab aber 1973 seinen Beruf auf, nachdem seine Frau ihm einen Fotoapparat geschenkt hatte, um sich ganz der Fotografie zu widmen. Salgado reiste an Orte des Krieges, der Vertreibung, des Hungers und war für Hilfsorganisationen wie UNICEF oder UNHCR unterwegs.

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Bei Salgado wird die Schönheit der Welt, aber auch der Schrecken dem Menschen ausgesetzt sind, unverstellt gezeigt – in schönen, imposanten Bildern. Es gelingt dem Künstler, all das Elend der betroffenen Menschen spürbar zu machen und das Leiden das er während seiner Reisen gesehen hat, in seiner gnadenlosen Dringlichkeit darzustellen. Er zeigt den Kampf um Würde, um Menschlichkeit, bspw. den Alltag brasilianischer Goldminenarbeiter – jene Bilder, die ihn weltweit bekannt gemacht haben und die durch seine Beschreibung der Zustände dort noch dramatischer werden – die Proteste ausgebeuteter Arbeiter in Lateinamerika oder die Hungernden in der Sahelzone, er dokumentierte den Völkermord in Ruanda oder die Gräuel des Krieges in Jugoslawien.

Eine blinde Tuareg-Frau, deren Gesicht seitlich von ihrem Umhang verdeckt wird, war eines der ersten Bilder, die Wim Wenders von Salgado entdeckt und sofort gekauft hat.

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Viehherden magerer afrikanischer Rinder mit ihren Hirten im Gegenlicht in einer staubigen Steppe. Abgemagerte hungernde Frauen und Kinder, die durch die Sahel-Zone ziehen. Im Blick durch die Linse von Sebastião Salgado bekommen Menschen und Landschaften durch starke Hell-Dunkel-Kontraste, suggestive Lichtführung und eine auf das Wesentliche konzentrierte Komposition eine ganz eigene und eindringliche Menschlichkeit. Seine Bilder sind geprägt von Mitgefühl, er lebte tage-, wochen- oder monatelang mit den Menschen, die er fotografierte, ließ ihnen auch in den unmenschlichsten Situationen oder dem Tod ihre Würde und gab ihnen so eine eindrückliche Stimme in der Weltöffentlichkeit.

ww2 Nenzen am Polarkreis

Immer sind Salgados Aufnahmen in Schwarzweiß gehalten, immer sind sie so exakt komponiert, dass sie eher wie abstrahierende Kunstwerke als bloße Fotos wirken. Aber diese Distanz ist auch bitter nötig, erzählen seine Bilder von unglaublichen Grausamkeiten. Sie entwickeln diese eindringliche Dramatik, bei der das ganzes Kinopublikum den Atem anhält, selten habe ich es in einem Film so still erlebt, das Popcorn dürfte vielen Zuschauern im Halse stecken geblieben sein. Ob Wim Wenders einen Weltverbesserungsfilm drehen wollte weiß ich nicht, eigentlich zeigt diese Film eher, dass der Mensch, trotz der eindrücklichen Dokumentation von unglaublichem Verhalten, nicht wirklich ein Umdenken erzielen kann, die Geschichte von Krieg, Vertreibung, Völkermord, wiederholt sich leider immer wieder.


Feuerwehrmann vor brennenden Ölquellen in Kuwait

Da Salgado ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist, dokumentiert er die Hintergründe und Geschichten zu seinen Fotos in diesem Film mit seinen eigenen Worten, kommentiert die Motive, die auf seinen Bildern zu sehen sind, selbst. Julian Ribeiro Salgado begleitete seinen Vater bei seinen letzten Reisen und auch diese Videoaufnahmen fügt Wim Wenders in seine Hommage an den Künstler ein. Wim Wenders lässt ihnen die Originalstimmen, die Übersetzung findet sich in Untertiteln. Auch hier spürt der Zuschauer den Respekt, die Hochachtung, die Zuneigung, die Wim Wenders Salgado gegenüber zum Ausdruck bringt.

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Wenn man diese Bilder sieht, fragt man sich wie dieser Mann so lange durchhalten konnte, Situationen und Lebensbedingungen, die einen Menschen, der dies mit ansehen muss, an den Rand des Zumutbaren bringen, Tod, Elend, unendliche Grausamkeiten- alles was Menschen anderen Menschen antun können – hat Salgado in seinen Bildern festgehalten und war mit dabei, ein Wunder, dass er die eine oder andere Situation überhaupt überlebt hat.

Aber irgendwann war auch für ihn die Grenze des „Aushaltbaren“ erreicht und er zog sich zurück, widmete sich einem Projekt der Wiederaufforstung des Regenwaldes in seiner Heimat, er gründete gemeinsam mit seiner Frau Lélia, das ökologische Instituto Terra auf der brasilianischen Ranch der Familie und zog daraus neuen Elan für zukünftige Projekte. Von nun an richtete er seinen Kamera-Blick auf die Schönheiten und Wunder der Erde, begann sein Tribute to the Earth-Projekt „Genesis“ mit imposanten Naturaufnahmen…….

Für mich ein sehr beeindruckender Mann mit unglaublichen Bildern!

"Das Salz der Erde" von Wim Wenders: Bildgewaltige HommageDie Yali in Papua

 

ww7                                           Eine Echse auf Galapagos

Zur Beschreibung der Bilder aus der Sicht von Fachleuten, sprich Journalisten und Fotografen, habe ich als Laie folgende Quellen und Hintergrundinformationen zu Rate gezogen:
http://www.dw.de/wim-wenders-neugieriger-blick-auf-die-welt/a-18030128
http://www.kino.de/kinofilm/das-salz-der-erde/154335
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/kino-kino/das-salz-der-erde-wim-wenders-kinokino-filmkritik100.html
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/capriccio/film-tv/das-salz-der-erde-capriccio-100.html
http://www.kino-zeit.de/filme/das-salz-der-erde
http://www.ardmediathek.de/tv/-/Das-Salz-der-Erde-Wim-Wenders-Hommag/Das-Erste/Video?documentId=24197480

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6 Antworten zu „Das Salz der Erde“ von Wim Wenders

  1. Myriade schreibt:

    Sehr interessanter Beitrag mit eindrucksvollen Bildern. zB die Echsenhand, ganz toll !

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    • Danke! Es gab noch ein sehr beeindruckendes Bild einer Rieseneidechse, auch auf Galapagos die aus dem Wasser kommt, durch die schwarz-weiß Fotografie sieht es aus, als ob sie aus flüssigem Metall herausklettert, leider habe ich das Bild nirgendwo gefunden, sehr beeindruckend!

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      • Myriade schreibt:

        Die SW Fotos können schon was ! Natürlich sind die Galapagosechsen auch sehr fotogen 🙂 Aber auch die anderen Bilder sind sehr eindrucksvoll, eben wirklich einerseits ästhetisch komponiert andererseits mit eindeutiger Aussage. Das treffen nicht so viele !

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  2. entdeckeengland schreibt:

    Das klingt sehr beeindruckend, aber ist wohl ein Film, bei dem man in der richtigen Stimmung sein sollte.

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  3. Pingback: Liebster Award :-) Teil 1 | silverbluelining

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