Shakespeare in Neuss – Résumé

Irgendwie habe ich es geschafft mir in diesem Jahr gleich für 6 Vorstellungen Karten zu organisieren, das war so ein bisschen der Shakespeare overkill, aber es waren so viele interessante und auch neue Aufführungen dabei – da konnte ich nicht wiederstehen.

Zum Auftakt – wir hatten tatsächlich Karten für den Premierenabend des Globe, gab es den Klassiker, das wohl bekannteste Liebesdrama von Shakespeare:

Romeo and Juliet
gespielt von der Shakespeare at the Tobacco Factory, einem Theater aus Bristol.
Wunderbar umgesetzt, mit tollen Schauspielern, in einer sehr jugendlichen Inszenierung, gespielt in den 1960er Jahren. Es gab zwar wenig Bühnendekoration, die war aber auch nicht nötig, das intensive Spiel der Akteure hat uns vom ersten Moment an mitgerissen.


In dem Moment an dem Romeo die Bühne betrat, rockte er die Aufführung: ein großspuriger und explosiver Charmbolzen 🙂 und die zarte Julia mit ihrem Pferdeschwanz war ein wunderbares Pendant. Aber Bilder sagen mehr als Worte:

Hier findet sich noch ein längeres Filmchen mit Interviews der Darsteller….

Leider war die zweite Hälfte nicht mehr ganz so ausdrucksstark wie die erste – insgesamt aber sehr beeindruckend!

Hier findet sich außerdem eine ausführliche Zeitungskritik der Rheinischen Post
😎

Unser nächstes Event war sehr amüsant:

Wie es Euch gefällt –  diesmal auf deutsch
von Shakespeare und Partner aus Berlin

 

Männer in Frauenklamotten sind immer der Knaller und auch in diesem Fall ging das Konzept auf, hier spielten die Frauen die Männerrollen und umgekehrt – wunderbar überzogen, lustig, super umgesetzt – wir haben uns köstlich amüsiert!

Wer die Story nicht kennt, kann sie gerne hier nachlesen. Wie meist:
Irrungen und Wirrungen der Liebe!

Bildquelle: facebook Seite des Globe

Wer also demnächst in Berlin weilt und noch einen vergnüglichen Abend im Theater verbringen will, dem sei Shakespeare und Partner wärmstens empfohlen, alle Infos hier.

Dem folgte:

 Der widerspenstigen Zähmung
des Schauspielhauses und der Kunstuniversität Graz
war für mich eines der Stücke wo mir doch hin und wieder die Kinnlade runterklappte, ich mich aber keine Minute gelangweilt habe. Meine Freundin meinte, „das ist ja echt strange“, ja sie hatte recht! Männer in Frauenkostümen die Männer gespielt haben, bei der Dame mit der blauen Perücke schoss mir „Lady Gaga“ durch den Kopf, der Knüller war bestimmt als Petruchio mit Leo-String-Tanga, Hirschgeweih und Cowboystiefeln auf die Bühne stapfte. Faszination, Unglauben, „mir fallen die Augen aus dem Kopf“ – hier war alles dabei!

Aus der Zeitungskritik:
„Die junge Regisseurin Holle Münster hat sich nicht irritieren lassen und die Äußerlichkeiten, durch die man die Rollen von Männern und Frauen unterscheidet, durch knallbunte und schrille Kostüme einfach aufgelöst. Kostümbildnerin Thea Hoffmann-Axthelm hat Männern Löckchen und Haarschleifen, Reifröcke und High Heels verpasst. Und wenn Bianca und Katharina in Korsagen und Push-Up-BHs auftreten ist das durchaus nicht sexistisch, denn Petruchio glänzt im Leoparden-Tanga.
Wobei ein paar Szenen auch deutlich überzogen waren, na ja wie immer subjektive Geschmackssache!

Kurz die story, die hier absolute NEbensache war (Quelle Globe Neuss): Auf dem Marktplatz der Liebe stehen die Bewerber bei der schönen Bianca aus Padua Schlange. Sie darf allerdings erst heiraten, wenn ihre ältere Schwester Katharina an den Mann gebracht werden kann. Die aber denkt nicht daran, sich von ihrem Vater verschachern zu lassen, und setzt sich gegen jeden Heiratskandidaten zur Wehr. Da kommt Petruchio gerade zur rechten Zeit, denn schon beim ersten Zusammentreffen wird klar, dass die beiden sich auf Augenhöhe begegnen.

Eine Kritik gab es in der Rheinischen Post: hier
Und eine weitere Kritik mit vielen Bildern findet Ihr hier: fifty2go

🙂
Die Impro Oper: La Triviata
, München
war die Überraschung für das Publikum zum 25jährigen Jubiläum. Vier Sänger/innen und ein Pianist stürzen sich auf die Vorgaben des Publikums, das die Stichworte zu einer neuen Shakespeare-Oper gibt. Die Künstlerinnen und Künstler komponieren, dichten, singen und spielen Arien, Duette, Chöre, ja die ganze Oper….. so die Vorlage!
Das hat auch wunderbar geklappt solange sich das Quartett an den Vorgaben des Publikums orientiert hat. Das erste Thema war Haarausfall, das in verschiedenen Gemütszuständen dargestellt werden sollte (einer der Darsteller hat eine Glatze) und so kam Haarausfall wütend, erregt und gelassen auf die Bühne. In kürzester Zeit wurde dies von den Akteueren in eine Arie umgesetzt, die die Zuschauer dann vorgetragen bekamen. Außerdem wurde jeder Gast aufgefordert einen Zettel mit einem „Satz“ (nicht nur aus Shakespeare) in ein Körbchen zu legen.
Nach der Pause wurden diese Sätze dann in Theater, sprich Libretto umgesetzt was zumeist sehr komisch war, elegant und souverän meisterten die Vier die Herausforderung, passende und unpassende Sätze von den Zetteln abzulesen und umzusetzen: Sepp Blatter musste zur Strafe für seine Untaten eine Hecke schneiden…..
Leider unterbrachen Sie dieses Konzept dann für eine Geschichte, „Der gefälschte Strafzettel“. Dies war zwar das vorgegebene Thema des Publikums, es war aber klar, dass die Geschichte vorher einstudiert wurde und dann mehr schlecht als recht der „Strafzettel“ eingebaut wurde. Schade, das war langweilig und zog sich zu lange hin.
Eine ausführliche Zeitungskritik mit Bildern findet sich hier: Rheinische Post

😎

Measure for Measure von Eat a crocodile
gehört zu den eher selten aufgeführten Stücken und ich habe mir zum Glück vorher noch die Geschichte erzählen lassen, ich wäre hoffnungslos verloren gewesen, habe ich doch leider nur sehr wenig verstanden.


Bildquelle Facebook Seite Shakespeare Festival Globe Neuss

An dieser Inszenierung scheiden sich die Geister. Ich hatte Probleme, da ich den Herzog fast kaum verstanden habe, er nuschelte ganz furchtbar und betrank sich zunehmend, mit dem Erfolg dass er noch nuscheliger wurde 😦
Die Handlung: Quelle  Der Herzog von Wien beschließt, die Stadt für eine Weile zu verlassen. Für die Zeit seiner Abwesenheit soll sein Stellvertreter Angelo die Regierungsgeschäfte führen. Angelo beschließt, die drastischen Gesetze gegen sexuelle Freizügigkeit, die nicht mehr angewandt wurden, wieder in Kraft zu setzen. Demzufolge wird ein junger Kavalier namens Claudio zum Tode verurteilt, weil er seine Verlobte Julia noch vor der Vermählung geschwängert hat. Lucio überredet Claudios Schwester, die Novizin Isabella, sich bei Angelo für das Leben seines Freundes zu verwenden. Angelo verspricht, Claudio freizulassen, wofern Isabella ihm – Angelo – zu Willen sei. Diese weigert sich und berichtet ihrem Bruder, daß er sterben müsse, da sie ihre Ehre zu wahren habe. Der Herzog ist im Gewande eines Mönches in Wien geblieben und hat das neue Regime beobachtet. Er bewegt Isabella dazu, scheinbar auf Angelos Verlangen einzugehen. Ihren Platz in Angelos Bett nimmt Mariana ein – die Ex-Verlobte des gegenwärtigen Regenten, die dieser sitzengelassen hatte. Nach dem Ereignis will Angelo das Versprechen, das er Isabella gegeben hatte, nicht halten: Claudio soll hingerichtet werden. Doch die Intervention des Herzogs vereitelt sein Vorhaben…..

In der Inszenierung wurde die Handlung in ein Beerdigungsinstitut verlegt. Der Herzog öffnet permanent 3 Särge aus denen die anderen Akteure hervorkommen und wieder hinein gehen. Das war am Anfang interessant, läuft sich aber irgendwann tot, ich fand es dann einfach nur noch nervend. Leider!
Aber es gab auch viel Applaus und auch die ausführliche Kritik der RP ist sehr positiv:  deckel-auf-deckel-drauf-und-die-moral/

The Duke (Bob Goody, 2.v.l.) 'richtet' Marianna (Charlotte Palmer, l.), Antonio (Jonathan Storey, 2.v.l.) und Isabella (Seonaid Goody,r.).
Bildquelle ist der Zeitungsartikel

🙂

Und zum Schluss gab es für uns
Love´s Labour´s Lost der Mountview Productions, London
ein Stück das ich zuvor nicht kannte. Hier hatten wir ein paar Schauspieler mehr auf der Bühne……
Regisseur Stephen Jameson hat das Geschehen ins 19. Jahrhundert und in die USA versetzt: Vier junge und sehr wohlhabende Männer, der König von Navarra und seine Freunde Dumaine, Berowne und Longaville, die an einer Elite-Uni wie Harvard studieren, und vier selbstbewusste junge Frauen, die Prinzessin von Frankreich und ihre Freundinnen Rosaline, Maria und Katherine. Diener Costard ist als Cowboy mit sehr deutlichem Akzent ein wunderbar krasses Gegenstück zu der feinen Herrschaft, der Spanier Amado, der Costard die dralle Jaquenetta abspenstig machen will, ein herrlich selbstverliebter Schnösel mit viel Ironie.
Die Geschichte s.u. selbst ist nicht sonderlich aufregend und wäre ohne die Beigabe von musikalischen Einlagen bestimmt nur halb so unterhaltsam gewesen. So wurden uns jedoch Songs aus den 70er und 80er Jahren auf die unterschiedlichste Weise präsentiert, mal solo, mal gemixt – das Publikum klatschte jedes Stück begeistert mit, meine Nachbarin sang die meisten Songs mit. Warum gerade die 80er Lieder immer diesen Effekt auslösen? Egal, die Musikstücke waren passgenau für die Szene und die Figuren ausgesucht.

Der unglückliche Amado sang wunderbr theatralisch tragisch „When a Man loves a Women“ von Percy Sledge, die heimlich verliebten Männer schmachten „Love hurts“ von Nazareth und schmettern, als sie zu ihrer Liebe stehen, „I was made for loving you“ von Kiss. Das war einfach nur klasse!
Die selbstbewussten Frauen hielten es mit Madonnas „Material Girl“ und sangen ihren Möchtegernlovern Carly Simons „Your’re so vain“ entgegen……..

Zur Original-Story habe ich nur etwas auf Englisch gefunden: (Quelle)
Love’s Labour’s Lost is one of William Shakespeare’s early comedies, believed to have been written in the mid-1590s for a performance at the Inns of Court before Queen Elizabeth I. It follows the King of Navarre and his three companions as they attempt to forswear the company of women for three years of study and fasting, and their subsequent infatuation with the Princess of Aquitaine and her ladies. In an untraditional ending for a comedy, the play closes with the death of the Princess’s father, and all weddings are delayed for a year. The play draws on themes of masculine love and desire, reckoning and rationalization, and reality versus fantasy. Though first published in quarto in 1598, the play’s title page suggests a revision of an earlier version of the play. While there are no obvious sources for the play’s plot, the four main characters are loosely based on historical figures. The use of apostrophes in the play’s title varies in early editions, though it is most commonly given as Love’s Labour’s Lost.
The historical personages portrayed and the political situation in Europe relating to the setting and action of the play were familiar to Shakespeare’s audiences. Scholars suggest that the play lost popularity as these historical and political portrayals of Navarre’s court became dated and less accessible to theatergoers of later generations. The play’s sophisticated wordplay, pedantic humour and dated literary allusions may also be reasons for its relative obscurity, as compared with Shakespeare’s more popular works.

Ein großer Spaß und ein großes Finale für die Shakespeare Wochen in Neuss!!!

http://www.mountview.org.uk/shows/shows/loves-labours-lost.html
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/neuss/kroenender-abschluss-des-globe-festivals-aid-1.5197044

Auch in diesem Jahr wieder insgesamt ein großartiges Programm und ich freue mich schon sehr auf das nächste Jahr!!!

http://www.shakespeare-festival.de/de/programm/2015/

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19 Antworten zu Shakespeare in Neuss – Résumé

  1. CraMERRY schreibt:

    Was für ein Pensum!
    Und Petrucchio im Tanga, nun denn……. 😉
    Apropos: Du erinnerst dich an die John-Wayne-Statue in Cong, die dort uir Erinnerung an den Film „Quiet Man“ aufgestellt wurde? Nein, du hast nichts übersehen, JW trägt keinen Tanga 😀
    Aber der Film soll ein Adaption der Widerspenstigen Zähmung sein. Hatte ich dich schon an diesem bahnbrechenden Wissen teilhaben lassen?

    Gefällt 1 Person

  2. Guylty schreibt:

    Wow – das nenne ich Kultur! Innerhalb wie vieler Wochen/Tage hast du das Programm durchgezogen? (Oh Mann, das erinnert mich wieder an meinen Vorsatz, einmal im Monat ins Theater zu gehen…) Shakespeare ist ja nicht immer ganz leichte Kost, schon gar nicht auf Englisch oder gesungen!! Ich schwöre deswegen ja total auf die Bremer Shapespeare Company. Wenn du die mal irgendwo im Gastspiel erleben solltest – hingehen. Fantastisch volksnah erzählt.) So, und ich geh jetzt Theateraufführungen suchen.

    Gefällt 1 Person

  3. Servetus schreibt:

    Mensch, bist aber hart im Nehmen!

    Gefällt 1 Person

  4. Hariclea schreibt:

    wow, das was ja ‚full on‘ Theater! R&J ohhh…. ich hab das leider dieses Jhr hier verpasst weil es weniger Vorstellungen gab, aber es kommt wohl wieder :-)Irgednwann mal.
    The taming of.. ist eine meiner Lieblinsgstucke, das klingt allerdings nach einer interessanten Version ;-)) Aber die beiden sind ja auch bisschen ausserhalb der Norm also kann man damit auch mehr anfangen. Na ja, muss ja nicht immer gefallen aber man kann was Ausgefallenderes probieren 😉 Love’s labour klingt toll, das hatte ich gern auch gesehen 🙂
    Klingt nach ner tollen Woche, hier ist Theater nicht ganz so ausgeflippt regiemassig, na ja manchmal schon aber nicht so oft, aber ich finde mit Shakespeare kann man gan schon viel anfangen weil die Charaktere so universell sind.

    Muss mich auch wieder mal um die nachsten Karten kummern wenn ich bezahlt werde 😉 Apropos, schon Karten furs Kino Hamlet mit dem Batchy gebucht? 😉

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  5. Pingback: Shakespeare Festival Neuss, das neue Programm ist da! | silverbluelining

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