Vertigo von Alfred Hitchcock

In unserer Tageszeitung gab es vor kurzem eine Bestenliste von Kinofilmen der Filmredakteurin Dorothea Krings: „Krings Top 100„. Jeden Tag wurde im Countdown ein weiterer Film der subjektiven Top Ten vorgestellt, die gesamte Liste findet sich hier.

Wenn ich ehrlich bin, könnte ich nicht sagen welcher meiner Lieblingsfilme für mich auf Platz 1, 2 oder 3 gehört, das wechselt immer wieder, je nach aktuellem Programm.
Es gibt aber auch Klassiker die ich immer wieder gerne sehe, Filme die ich liebe, bei denen ich jedes Mal mit einem Taschentuch vor dem Fernseher sitze und sie trotzdem schaue oder die einfach nur so spannend oder komisch sind, dass ich immer wieder Spaß habe, sie in den DVD player zu legen…….

Aber zurück zur subjektiven Bestenliste der Redakteurin der Rheinischen Post.
Ihre Nummer 1 ist am 22./23. August veröffentlicht worden, es ist
Vertigo von Alfred Hitchcock.

Ja, der Film gehört auch für mich zu den Klassikern. Superspannend mit einer unglaublich facettenreichen Story, die mit unvorhersehbaren Wendungen bis zum Schluss überrascht. Mit einem Finale das tatsächlich ein Finale ist. Auch für mich ein Meisterwerk der Kinogeschichte und ein wunderbares Beispiel dafür, wie man auch ohne oder mit nur wenig Blut und Horror unglaubliche Spannung erzielen kann.

HitchcIch hatte das Glück diesen Film vor vielen Jahren im Kino sehen zu können. Da gab es in Freiburg noch das Kino unter dem Theater (nein, nicht das Cinemaxx) und in einer Sommer?? Aktion wurden die Klassiker von Hitchcock gezeigt. Die meisten kannte ich damals noch nicht und wir haben uns fast alle angesehen.
Ich weiss noch, wie ich völlig fertig aus Vertigo kam, dieser Film spielt mit den Gefühlen der Zuschauer Katz und Maus – Hoffen, Bangen, Entsetzen und dann das ganze wieder neu! Die Bilder, für mich als Mensch mit Höhenangst – einfach nur unglaublich umgesetzt. Der Film wurde im Jahr 1958 gedreht also keine Special Effects die am Computer nach- bearbeitet wurden!!!

Das Mordkomplott, das dahinter steckt, die Gefühle der Hauptpersonen, man hofft ja bis zum Schluss auf ein „gutes“ Ende, der Absacker in der Mitte wo man sich kurzfristig fragt warum der Film denn jetzt noch weiter geht, er hat seine große Liebe ja schließlich gerade verloren……

Vertigo – Aus dem Reich der Toten (Vertigo, dt. „Schwindelgefühl“) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1958 mit James Stewart und Kim Novak in den Hauptrollen. Das Drehbuch basiert auf dem Roman D’entre les morts (1954) von Pierre Boileau und Thomas Narcejac.
Der pensionierte Polizist John „Scottie“ Ferguson, gespielt von einem hervorragenden James Stewart mit Höhneangst, fühlt sich schuldig am Tod eines Kollegen, der in die Tiefe stürzte, als er versuchte ihn zu retten und quittiert danach den Dienst.
Er übernimmt den Auftrag, die Frau eines alten Schulfreundes, Madeleine zu observieren. Denn Madeleine, (Kim Novak in einer unglaublich facettenreichen Doppelrolle – spielt großartig!!) hat die Todessehnsucht befallen. Sie steht scheinbar im Banne ihrer verstorbenen Urgroßmutter Carlotta Valdes, die sich mit 26 Jahren das Leben nahm. Sie kleidet sich wie sie, besucht ihr Grab und ist ebenfalls 26 Jahre alt.
Als sie sich tatsächlich von den Klippen stürzen will, kann Scottie sie retten, nimmt sie mit nach Hause und die beiden verlieben sich in einander. Aber die Todessehnsucht bleibt und Scottie kann nicht verhindern dass sie sich letztendlich vom Glockenturm stürzt, bedingt durch seine Höhenangst ist er zu langsam und die Geliebte fällt vor seinen Augen in die Tiefe.
Dies ist der Moment wo sich der Zuschauer kurzfristig fragt warum der Film eigentlich noch weiter geht. Aber tatsächlich beginnt er gerade erst….. 🙂
Dass es sich hierbei um eine Inszenierung handelt um einen Mord zu vertuschen bei dem der arme Scottie als Zeuge fungiert, lässt Hitchcock schon sehr schnell durchblicken. Auf den anfänglichen Kriminalfall legt Hitchcock nicht viel Wert, sondern auf die sadistische Geschichte, die dann beginnt und die den Zuschauer ins Grauen stürzt. Scottie, der in tiefer Trauer um Madeleine kaum den Alltag bewältigen kann, begegnet der Frau, die sich für Madeleine ausgab. Aber Judy ist eine völlig andere Frau als die perfekte Madeleine, die sie für so kurze Zeit verkörperte. Doch der immer noch verliebte Scottie klammert sich an die vermeintlich neue Chance die ihm das Schicksal bietet. Er zwingt Judy die bereits dargebotene „Rolle“ wieder auf, sich zu kleiden wie sie, die Haare zu färben und zu tragen wie sie, wieder Madeleine zu sein! Der Zuschauer ahnt schon bald, dass dies nicht gut gehen kann. Und Judy liebt ihn, will von ihm wieder geliebt werden und spielt das perfide Spiel mit, gibt ihre eigene Persönlichkeit auf,  wird für Scottie wieder zu Madeleine. Und natürlich führt auch dies wieder auf den Turm und wieder hinunter in den Abgrund und leider nicht nur im übertragenen Sinne……

Die RP schreibt: „Hitchcock hat das Kino besser verstanden: als Raum für Illusionen, als Fluchtort, an dem der Mensch verführt, betrogen, in Scheinwelten verstrickt werden will, um sich zu unterhalten. Und um seine Wirklichkeit besser zu verstehen, später, bei der Rückkehr ins Leben…..
Dieser schwarz-romantische Thriller ist der größte Film aller Zeiten, weil er auf raffinierte Weise vom Kino selbst erzählt, von der Manipulierbarkeit des Sehens, der Verführbarkeit des Voyeurs und weil er zugleich ein melancholischer, todessehnsüchtiger, packender Krimi ist, in dem vieles anders scheint als es ist – und der Zuschauer in der Schwebe bleibt. Unter ihm der Abgrund.
„Vertigo“ handelt von der leeren Illusion romantischer Liebe, von Betrug und Selbstbetrug. Und es sind die Bilder, die den Menschen zum Verhängnis werden. Sie lassen ihre Sinne täuschen, willigen ein in ein zwanghaftes Spiel mit Identitäten, weil sie nur mit der Illusion weiterleben können. Weil das Erdachte für sie das Lebenswertere ist.“

Um das Schwindelgefühl optisch umzusetzen, setzte Hitchcock erstmals den sogenannten Vertigo-Effekt ein. Hierbei fährt die Kamera auf das Objekt zu, während gleichzeitig rückwärts bis hin zu einer Weitwinkel-Einstellung gezoomt wird, ohne dass sich der Bildausschnitt ändert. Infolgedessen scheinen sich der Hintergrund und weiter von der Kamera entfernte Bildelemente vom Zuschauer wegzubewegen, während der Nahbereich des Bildes nahezu gleich bleibt. Dies führt zu einer Streckung der perspektivischen Tiefe, wodurch die optische Illusion des Schwindels erzeugt wird. Der Effekt ist im Film dreimal zu sehen, einmal zu Beginn in der nächtlichen Häuserschlucht von San Francisco und zweimal im Turm der Mission San Juan Bautista (der in Wirklichkeit so nicht existiert und durch einen optischen Trick hinzugefügt wurde). Aus Kostengründen ließ Hitchcock das komplette Treppenhaus des Turms als Modell in liegender Position nachbauen und die Kamera auf einer horizontalen Schiene fahren. Nachfolgende Filmemacher, die diesen Effekt ebenfalls nutzten, waren unter anderem François Truffaut in Fahrenheit 451 (1966), Claude Chabrol in Die untreue Frau (1968), Steven Spielberg in Der weiße Hai (1975) und Tobe Hooper in Poltergeist. Quelle wikipedia

vertigoScottie mit Madeleine und Judy
Quelle: filmstarts.de

Der gesamte Artikel der Rheinischen Post findet sich hier und hier. Mit einem herzlichen Dankeschön an die Rheinische Post für´s Erinnern an einen grandiosen Film! ❤

Wer den Film wirklich nicht kennt, in voller Länge hier:

Wer jedoch die Gelegenheit hat sich den Film in einem Kino auf Großbildleinwand anzusehen – hingehen und ansehen!!!
Das wäre doch was für das nächste Kinoprogramm der open air Saison 2016?

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7 Antworten zu Vertigo von Alfred Hitchcock

  1. frauvonelmdings schreibt:

    Es gibt auch ein ganz tolles Buch von Francois Truffaut „Mr Hitchcock, wie haben sie das gemacht?“ als Taschenbuch bei amazon für knapp 10,- €.
    Das ist wirklich lesenswert, witzig und aufschlußreich. Truffaut hat Hitchcock ausführlichst interviewt und die Antworten auf 500 Fragen zur Entstehung verschiedenster Film-Szenen dokumentiert.
    http://www.amazon.de/Mr-Hitchcock-wie-haben-gemacht/dp/3453861418/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1440503157&sr=1-1&keywords=mr+hitchcock+wie+haben+sie+das+gemacht

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  2. Martina Ramsauer schreibt:

    Ich kann mich noch recht gut an das Treppenhaus und meine Angst erinnern und habe jetzt wirklich Lust den ganzen Film noch einmal zu sehen. Danke, liebe Suzy für deine Erklärungen. L.G. Martina

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  3. Paleica schreibt:

    abgesehen davon, dass ich mir mit hitchcocks frauenfiguren oder eher dem schauspiel der 60er jahre ein wenig schwer tu, finde ich, dass es ein grandioser film ist. vertigo war auch mein liebster hitchcock, ich mag diese höhenangstschwindeleffekte sehr gern und auch den hintergrund der story.

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    • suzy schreibt:

      Herr Hitchcock soll für seine weiblichen Stars ja sehr anstrengend gewesen sein, da er in ihnen entweder seine Muse oder was auch immer gesehen hat. Offensichtlich gab es da einige Probleme hinter den Kulissen 🙂

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