BÜMA Aktion – ein kleiner Hoffnungsschimmer

You will find Servetus translation below…….Thanks Serv ❤

Letzte Woche haben wir eine Aktion gestartet – ein kleiner Hoffnungsschimmer am Wartehorizont auf das Asyl. Ursache war ein Antrag auf einen Deutschkurs, den ich für einen jungen Iraker zum zweiten Mal gestellt hatte. Dieses Mal bekamen wir nicht nur eine nichtssagende Standardantwort, sondern eine ausführliche Begründung, dass dem jungen Iraker (mit guter Bleibeperspektive) leider keine Integrationskursverpflichtung ausgestellt werden könne, da er ja noch keinen Asylantrag gestellt hätte. Dafür danke ich der mir unbekannten Sachbearbeiterin ganz herzlich – dafür, dass wir zum ersten Mal eine Antwort erhalten haben, mit der wir tatsächlich etwas anfangen können.

Ich habe mich inzwischen schlau gemacht. Hat die BÜMA (Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender) nur eine Nummer, dann sind die Menschen zwar in irgendeiner Form registriert worden, einen Antrag auf Asyl durften sie bisher allerdings noch nicht stellen. Nur zur Info – der junge Mann ist seit Oktober 2015 hier und wartet darauf, dass irgend etwas passiert. Wenn also unsere Zeitungen schreiben, dass die 450.000 Asylanträge die noch beim BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) auf Halde liegen in 10 Monaten abgearbeitet sein sollen, sind diejenigen, die noch nicht mal einen Antrag stellen durften, gar nicht dabei. Laut Rheinischer Post sind es ca. 150.000 Flüchtlinge die noch keinen Antrag stellen durften 😦

Da wir schon befürchtet haben, dass es bei uns ihm Heim noch einige mehr gibt die lediglich eine Nummer auf ihrer BÜMA haben, gab es einen Aushang, dass wir alle BÜMAs, Fiktionale Aufenthaltsbescheinigungen etc. kopieren wollen um danach an das BAMF (=Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) zu schreiben. Wir haben nicht soooo viele erwartet, aber die Schlange nahm kein Ende. Nachdem es sich rumgesprochen hatte, dass wir Ehrenamtlichen etwas unternehmen wollen kamen viele – sehr viele. Uns ging dann das Papier vom Kopierer aus und so haben wir die Aktion heute fortgeführt um auch all diejenigen erreichen zu können, die tatsächlich schon einen Kurs bekommen haben oder in eine Maßnahme der Agentur für Arbeit gehen oder die einfach in die Schule gehen weil sie schulpflichtig sind 🙂 Es kamen sogar Flüchtlinge die bereits eine Wohnung gefunden haben, von unserer Aktion gehört hatten und unbedingt auch teilnehmen möchten. Leider ist das kein Spiel…..

Das Resultat ist ein riesiger Stapel Papier den wir jetzt auch umsetzen wollen. Denn die Freude der Menschen als wir ihnen gesagt haben, dass wir ein Schreiben aufsetzen werden war groß. Endlich passiert etwas! Die erste Frage war meist: „Für das Gericht?“ Ein Wort das alle kennen, denn eigentlich wollen viele klagen. Aber man hat uns auch gesagt, das würde nicht viel bringen. Ich kenne mich da nicht aus, will mir aber fachlichen Rat einholen.
Zunächst werden wir ein Schreiben erstellen mit einer „höflichen Sachstandsabfrage“. D.h. wir fragen einfach nur nach, wie denn der momentane Stand der Bearbeitung ist. Und wir setzten ein Datum (4 Wochen) nach dem wir gerne eine Antwort hätten. Meine Kollegin, mit juristischen Kenntnissen, hat mit diesen Tipp gegeben. Daraus folgt, dass die zweite Aktion, die wir durchführen müssen, die Unterzeichnung all dieser Schreiben sein wird. Denn ohne „Vollmacht“ können wir leider gar nichts machen. Eine Vollmacht ist mir jedoch zum umfassend. Also verfassen wir ein Schreiben im Namen des Flüchtlings und uns………… und dann sehen wir mal was passiert.
Eigentlich sind ja Ferien, aber die vielen, vielen neu eingestellten Mitarbeiter vom BAMF haben hoffentlich genauso wenig Urlaub wie ich, weil sie ein halbes Jahr Probezeit haben 🙂 In diesem Fall zu unserem Vorteil !

Wenn im Fernsehen zur Zeit großzügig verkündet wird, dass die Flüchtlinge alle eine Integrationskursverpflichtung bekommen und sie dann da auch hingehen MÜSSEN, frage ich mich was das blöde Geschwätz eigentlich soll. Alle meine Flüchtlinge hier würden sich freuen endlich diese Verpflichtung zu bekommen, endlich Deutsch zu lernen und ihr Leben in Deutschland (ein Leben das den Namen auch verdient) endlich beginnen zu dürfen!! Wenn all diese vielen Menschen dann einen Kurs besuchen dürften wird es nicht mehr genug Kurse geben 😦 Die Wartezeit ist zur Zeit schon teilweise bis zu 2 Monate lang. Kurse für Analphabeten gibt es kaum, da es keine Lehrer gibt und auch spezielle Jugendintegrationskurse, in dem auch Praktika vermittelt und Infos zur Berufsorientierung gegeben werden, erfreuen sich eines großen Andrangs.

Fakt ist, sie sitzen seit Dezember bei uns im Heim, langweilen sich zu Tode, werden depressiv, krank und warten…………darauf dass die Sachbearbeiter beim BAMF endlich ihren Antrag in die Hand nehmen.

Drückt uns die Daumen, dass irgend etwas passiert!!!

http://www.rp-online.de/politik/asylantraege-ueberfordern-behoerden-aid-1.6108347

Last week we started a little initiative — a little glimmer of hope on the horizong of waiting for asylum. The reason was an application for a German class, that I had written for the second time for a young man from Iraq. This time we received not only the usual answer, which doesn’t say much, but rather an extensive justification, that unfortunately the young Iraqi man (who has a good chance of being allowed to remain) cannot be given a form that obligates him to take an integration class, because he still hasn’t placed his application for asylum. I am heartily grateful to the case worker, who I don’t know, for this answer — for the first time we got a reply that allows us to do something.

In the interval, I’ve informed myself. If the BÜMA (this is a government form, proof of a registration as an asylum seeker or Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender) only has a number on it, then the person has been registered in some way, but hasn’t yet been allowed to file an application for aslym yet. Only as information: the young man has been here since October 2015 and is waiting for something, anything to happen. So when our newspapers report that the 450.000 applications for asylum piled up at the BAMF (Federal Office for Migration and Refugees – Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) should be processed in ten months, the ones who haven’t yet been allowed to file an application aren’t counted in that number. According to the Rheinisch Post there are about 150.000 Flüchtlinge who haven’t been allowed to file the application yet 😦

Since we were indeed afraid that of the refugees in our local refugee shelter, there are probably several more who only have a number on their BÜMA, we put up a poster that we would take all the paper work, BÜMAs, fictional proofs of residence, and so on and photocopy it in order to send it to the Federal Office for Migration and Refguees. We didn’t expect all toooo many, but the line was endless. After the news got around that we volunteers wanted to try something a lot of people came — a lot. We ran out of paper in the photocopier and and so today we were back tehre, in order to reach everyone who already received a course or are attending a class at the Employment office or are attending schol because the law requires them to do that.:-) Even some refugees who had already found an apartment came, who had heard of our initiative and definitely wanted to participate. Unfortunately, it’s not a game ….

The result is a huge stack of paper that we need to transform into something else. Because the joy of the people was huge, when we told them that we wanted to put this letter together. Finally something is happening! The first question was usually „for the courts?“ A word that everyone knows, because a lot of people want to make a complaint. But we’ve been told that wouldn’t have much effect. I don’t know anything about it and I need to get some professional advice.

We’re going to start a letter with a „polite request for information about the state of affairs.“ I.e., we will simply ask what the status of the processing is. And we will put a date on the paper after which we would like an answer. A colleague of mine with legal knowledge gave me this suggestion. After that, the next initiative we need to take is that all of these letters will have to be signed, because without a „power of attorney,“ we are not allowed to do anything. But a real power of attorney is too sweeping for me. So we will write letter in the name of the refugees and ourselves … and see what happens.
It’s the holiday period [note to readers — in each German federal state, all the schools take their summer breaks at the same time — Serv], but I hope that many of the newly hired bureaucrats at the BAMF have as little vacation as I do, because they are on probation for six months at first :-) In this case it would be to our advantage !

At the moment, when I see the big announcements on TV that the refugees are all obligated to attend an integration class and that they HAVE to go to it, I ask myself what the point of this stupid twaddle is. Every refugee I know here would be delighted to get notice of this obligation, to finally learn some German and to begin their lives in Germany (lives that deserves that label)!! If all of these many people were allowed to take a class, there wouldn’t be enough classes. 😦 The waiting period is already up to two months. There are hardly any courses for illiterate people, since there aren’t any teachers, and there’s also a big demand for the special youth integration classes, in which internships are arranged and information about career choices are given.

The fact is: they are sitting in this shelter here since December, they are bored to death, they are getting depressed and sick and they wait …. for a bureaucrat at the BAMF finally picks up their application.

Cross your fingers for us that something happens!!!

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24 Antworten zu BÜMA Aktion – ein kleiner Hoffnungsschimmer

  1. roerainrunner schreibt:

    Tja, die Mitarbeiter dort sind vermutlich auch maßlos überfordert. Ich würde es ja eher der Politik der verschlossenen Augen in die Schuhe schieben 😉

    Gefällt 1 Person

    • suzy schreibt:

      Das glaube ich auch, dass die, die all die vielen Anträge bearbeiten müssen viel zuviel auf dem Tisch haben. Die Politik und die Verantwortlichen haben die Augen zu gemacht und viel zu spät reagiert. Und alle Beteiligten – Flüchtlinge, Entscheider und Sachbearbeiter müssen das jetzt ausbaden 😦

      Gefällt 1 Person

  2. Servetus schreibt:

    Last week we started a little initiative — a little glimmer of hope on the horizong of waiting for asylum. The reason was an application for a German class, that I had written for the second time for a young man from Iraq. This time we received not only the usual answer, which doesn’t say much, but rather an extensive justification, that unfortunately the young Iraqi man (who has a good chance of being allowed to remain) cannot be given a form that obligates him to take an integration class, because he still hasn’t placed his application for asylum. I am heartily grateful to the case worker, who I don’t know, for this answer — for the first time we got a reply that allows us to do something.

    In the interval, I’ve informed myself. If the BÜMA (this is a government form, proof of a registration as an asylum seeker or Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender) only has a number on it, then the person has been registered in some way, but hasn’t yet been allowed to file an application for aslym yet. Only as information: the young man has been here since October 2015 and is waiting for something, anything to happen. So when our newspapers report that the 450.000 applications for asylum piled up at the BAMF (Federal Office for Migration and Refugees – Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) should be processed in ten months, the ones who haven’t yet been allowed to file an application aren’t counted in that number. According to the Rheinisch Post there are about 150.000 Flüchtlinge who haven’t been allowed to file the application yet 😦

    Since we were indeed afraid that of the refugees in our local refugee shelter, there are probably several more who only have a number on their BÜMA, we put up a poster that we would take all the paper work, BÜMAs, fictional proofs of residence, and so on and photocopy it in order to send it to the Federal Office for Migration and Refguees. We didn’t expect all toooo many, but the line was endless. After the news got around that we volunteers wanted to try something a lot of people came — a lot. We ran out of paper in the photocopier and and so today we were back tehre, in order to reach everyone who already received a course or are attending a class at the Employment office or are attending schol because the law requires them to do that. 🙂 Even some refugees who had already found an apartment came, who had heard of our initiative and definitely wanted to participate. Unfortunately, it’s not a game ….

    The result is a huge stack of paper that we need to transform into something else. Because the joy of the people was huge, when we told them that we wanted to put this letter together. Finally something is happening! The first question was usually „for the courts?“ A word that everyone knows, because a lot of people want to make a complaint. But we’ve been told that wouldn’t have much effect. I don’t know anything about it and I need to get some professional advice.

    We’re going to start a letter with a „polite request for information about the state of affairs.“ I.e., we will simply ask what the status of the processing is. And we will put a date on the paper after which we would like an answer. A colleague of mine with legal knowledge gave me this suggestion. After that, the next initiative we need to take is that all of these letters will have to be signed, because without a „power of attorney,“ we are not allowed to do anything. But a real power of attorney is too sweeping for me. So we will write letter in the name of the refugees and ourselves … and see what happens.
    It’s the holiday period [note to readers — in each German federal state, all the schools take their summer breaks at the same time — Serv], but I hope that many of the newly hired bureaucrats at the BAMF have as little vacation as I do, because they are on probation for six months at first 🙂 In this case it would be to our advantage !

    At the moment, when I see the big announcements on TV that the refugees are all obligated to attend an integration class and that they HAVE to go to it, I ask myself what the point of this stupid twaddle is. Every refugee I know here would be delighted to get notice of this obligation, to finally learn some German and to begin their lives in Germany (lives that deserves that label)!! If all of these many people were allowed to take a class, there wouldn’t be enough classes. 😦 The waiting period is already up to two months. There are hardly any courses for illiterate people, since there aren’t any teachers, and there’s also a big demand for the special youth integration classes, in which internships are arranged and information about career choices are given.

    The fact is: they are sitting in this shelter here since December, they are bored to death, they are getting depressed and sick and they wait …. for a bureaucrat at the BAMF finally picks up their application.

    Cross your fingers for us that something happens!!!

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  3. Pingback: Suzy’s latest measure to help refugees in Germany — can she speed up the bureaucracy? #richardarmitage | Me + Richard Armitage

  4. Herba schreibt:

    Ich drücke euch und euren Schützlingen ganz dolle die Daumen!!!! Und finde ganz nebenbei euren EInsatz nach wie vor großartig!!!

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  5. Hariclea schreibt:

    Oh mann und das nur wegen verschiedenen Nummern…auf jeden Fall bewundernswert wie immer euer Einsatz wie kann man es sonst erwarten dass die armen Leute mit dieser Bürokratie überhaupt zurechtkommen… Kopf schuttel. Und auf alle Fälle Daumen drück!!

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  6. Servetus schreibt:

    thanks — actually, no, we don’t say that, but I knew what you meant 🙂

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  7. Das kann einem nicht gefallen, deshalb heute schweren Herzens mal kein Gefällt mir, hier aber Danke fürs Beschreiben, wie es ist. Ich sehe das auch immer wieder bei meinen zahlreichen Besuchen im Notdienst in Flüchtlingswohnheimen, gestresste und zugleich motivierte Menschen, die gerne sehen würden, dass etwas weiter geht. Ich staune allerdings auch immer wieder, was alles im Netz möglich ist an Deutschlernen etc. etc., WENN man einen Computer hat, ja, wenn…

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  8. Esther schreibt:

    Oh, ja, ich drücke ganz FEST die Daumen! Du sagst, dass einige noch keinen Antrag stellen dürfen – wieso denn nicht? Weil schon so viele Anträge laufen?

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    • suzy schreibt:

      Nein, ihre Daten sind nur aufgenommen worden. Und dann irgendwie verloren gegangen. Wir haben jetzt gehört, dass viele keine Adressen mehr haben. Oder, viele sind obdachlos, gerade ein großes Problem bei uns im Jobcenter. Oder einfach keiner hat Zeit ihre Papiere zu bearbeiten und so warten sie und können noch nicht mal einen Deutschkurs machen……ein einziges großes Trauerspiel 😦

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